Sri Lanka | Route, Sehenswürdigkeiten, Kultur und Gesellschaft

Ich war für 85 Tage in Sri Lanka unterwegs und habe einige schöne Orte besuchen können. Und dann hatte ich plötzlich das Gefühl, fertig zu sein mit dem Land. Denn ich habe fast alle Sehenswürdigkeiten auf meiner Reise-Wunschliste abhaken können und einige spannende Erfahrungen machen dürfen.

Ausblick auf den Ella Rock, Ella

Ausblick auf den Ella Rock, Ella, Sri Lanka

 

Meine wilde Reiseroute durch Sri Lanka

Als ich nach Sri Lanka kam, hatte ich die ungefähre Idee einer Reiseroute im Kopf. Ich wollte von der Hauptstadt Colombo aus im Uhrzeigersinn die Insel erkunden und zwischendurch einen Abstecher ins Inland machen. Wer meine Instagram-Stories verfolgt hat weiß, dass das nicht so ganz aufgegangen ist. Wie es dazu kam?

Meine wilde Reiseroute durch Sri Lanka

Meine wilde Reiseroute durch Sri Lanka

Direkt Anfang Januar hatte ich die Möglichkeit, in einem Kite Surf Resort in Kalpitiya an der Westküste als Yogalehrerin zu arbeiten. Als ich dort ankam, war jedoch schnell klar, dass ich dort nicht lange bleiben würde. Es waren keine Gäste im Resort und die Situation schien sich auch in den kommenden Tagen und Wochen nicht zu ändern. Gleichzeitig merkte ich, dass ich Sri Lanka erst einmal auf eigene Faust bereisen, jedoch weiter Zeit an der Küste verbringen wollte. Und so warf ich in einer Nacht- und Nebelaktion die grobe Idee meiner Reiseroute über Bord und reiste von der Westküste über Colombo runter an die Südküste. Und ja, da bin ich einige Zeit hängen geblieben. Fünf Wochen lang bin ich langsam an der Küste von Ort zu Ort gereist. Bis mich dann die Neugierde gepackt hat und ich mich aufgemacht habe, um das Inland zu sehen.

Als Clara dann für elf Tage zu Besuch kam, unternahmen wir die klassische und auch meine ursprüngliche Reiseroute - von Colombo aus im Uhrzeigersinn durchs Land. Dabei haben wir die Spots, die ich vorher schon gesehen und für besonders sehenswert erachtet habe, erneut bereist.

Nachdem Clara sich dann wieder auf den Heimweg gemacht hatte, macht ich mich los, um die letzten Orte der Insel zu bestaunen, die noch auf der Wunschliste standen. Das nördliche Inland und die Ostküste. Von hier aus ging es dann zurück zum Ausgangspunkt nach Colombo.

 

Sri Lankas UNESCO Welterbe

Wer sich für das besonders schützenswerte Kultur- und Naturerbe unserer Welt interessiert, hat in Sri Lanka einiges zu bestaunen. Ohne es unmittelbar zu planen, habe ich sogar fünf der acht Kultur- und Naturerbestätten der grünen Insel besucht. Und ich kann gut nachvollziehen, warum jede dieser Stätten als Teil des UNESCO Welterbes ausgewählt wurde.

In der Küstenstadt Galle findet sich die Festungsanlage Galle Fort, die zurückgeht auf die Zeit der portugiesisch-niederländischen Kolonialisierung Sri Lankas. Entsprechend sind die Gebäude und Straßen der Altstadt im europäischen Stil gehalten. Ich habe mich hier tatsächlich ein bisschen heimisch gefühlt und bin zwei Tage lang durch die kleinen Gassen mit ihren Boutiquen und Kunstgalerien geschlendert und habe einfach das Flair genossen.


In der heiligen Stadt Kandy habe ich drei Tage verbracht. Ich brauchte ein bisschen Zeit, um mit der Stadt warm zu werden. Denn auf den ersten Blick ist Kandy einfach eine sri-lankische Großstadt. Nach ein wenig Recherche und mit der Hilfe meines sehr bemühten Gastgebers habe ich aber ein paar schöne Ecken in der Stadt ausfindig machen können.

Unmittelbar am Kandy Lake liegt der Sri Dalada Maligawa, besser bekannt als Zahntempel. Hier wird der linke Backenzahn Buddhas in einer pompösen Goldschatulle aufbewahrt und täglich hunderten buddhistischen PilgerInnen zur Anbetung präsentiert. Das war ein sehr spannendes Spektakel und die magische Stimmung innerhalb der Tempelanlage hat mich sehr beeindruckt.

Im Botanischen Garten von Peradeniya, drei Kilometer außerhalb vom Stadtzentrum Kandys, habe ich einen ganzen Nachmittag verbracht. Hier kann man wunderbar spazieren gehen, die Ruhe vor dem Großstadttrubel genießen und Pflanzen und Gewächshäuser bestaunen.

Dann war ich noch bei einer Aufführung traditionell sri-lankischer Tänze. Hier wird zum Schlag verschiedener Trommeln in aufwändigen Gewändern getanzt.


Den goldenen Tempel von Dambulla haben Clara und ich uns während ihres Besuchs angesehen. Erst später habe ich herausgefunden, dass wir die riesige goldene Buddha-Statue, für die der Dambulla Tempel eigentlich berühmt ist, gar nicht gesehen haben. Unser Fahrer hat uns nämlich am hinteren Eingang der Tempelanlage abgesetzt und wieder eingesammelt.

Vielleicht fand diese Tempelanlage daher zwar schön, aber nicht so imposant wie den Mulkirigala Raja Maha Vihara Steintempel im Süden der Insel. 


Die antike Felsenstadt Sigiriya befindet sich auf dem so genannten Lion’s Rock, einem der bekanntesten Wahrzeichen Sri Lankas. Der schwindelerregende Aufstieg über Stein- und Stahltreppen führt zu den Ruinen, die terrassenartig auf dem 190 Meter hohen Berg ruhen. Dies ist insbesondere vor der wahnsinnig schönen Aussicht sehenswert. Der Eintritt zur Besteigung beträgt 28 Euro.

Tipp: Vom gegenüberliegenden Pidurangala Rock hat man eine meiner Meinung nach noch schönere Aussicht mit dem Blick auf den Sigiriya Lion’s Rock und das Umland. Und man bezahlt einen sehr geringen Eintrittspreis von etwa 3 Euro. Der Aufstieg über unebene Steintreppen und Felsen ist aber nicht zu unterschätzen. Hier oben zu stehen, mit dem Blick auf den Sigiriya Lion’s Rock und der kilometerweiten Aussicht über das grüne Umland sorgten bei mir für einen großen Glücksmoment.


Die antike Stadt Anuradhapura war die erste Hauptstadt Sri Lankas. Sie wartet mit unzähligen Stupas und Pagoden auf. Diese sammeln sich um das Highlight, einen Ableger des Feigenbaums, unter welchem Buddha seine Erleuchtung gefunden haben soll.

Ich habe hier einen ganzen Tag verbracht und bin mit dem Fahrrad die einzelnen Anlagen abgefahren. 24 Euro kostet es, die Denkmäler in der riesigen Parkanlage zu besichtigen.

 

Flora und Fauna

Was die Natur- und die Tierwelt angeht, hat Sri Lanka einiges zu bieten. Im Süden finden sich wunderschöne lange Sandstrände, die zum Schwimmen, Surfen, Schnorcheln und Tauchen einladen. Dschungelähnliche Wälder erheben sich unmittelbar am Strand, so dass das Tropenfeeling garantiert ist. Einen Großteil meiner Zeit habe ich an Süd- und Ostküste verbracht, weil mich die Kombination aus Meer und Urwald so sehr begeistert hat.


In der Landesmitte finden sich riesige Wälder, Bergformationen und Teeplantagen, die für NaturliebhaberInnen ein wahres Paradies bilden. Als Wald- und Wanderbegeisterte hat mich das Umland der Stadt Ella besonders beindruckt. Vom Small Adam’s Peak und vom gegenüberliegenden Ella Rock aus hat man wunderschöne Ausblicke auf die bewaldeten Berge. Etwas, was ich ja bereits auf dem Jakobsweg sehr zu schätzen gelernt habe.


Auch die Tierwelt Sri Lankas ist sehenswert. Leider habe ich nicht selbst alle diese Tiere sehen können. Aber wer Glück hat, sieht neben wilden Elefanten, Pfauen, Affen und Schildkröten auch Krokodile, Wale, Delfine und Leoparden in einem der Nationalparks. Meine Highlights der Tierwelt:

  • Der riesige wilde Elefant, den Clara und ich direkt nach Verlassen des Elephant Eco-Parks am Straßenrand gesehen haben

  • Die Wasserschildkröten und die Feuerfische, die ich beim Tauchen beobachten durfte

Um Rinder, Ziegen, Warane, Geckos, eine Vielzahl an Insekten und Straßenhunde zu sehen, muss man sich übrigens nicht mal weit bewegen. Die finden sich überall, an Straßenecken, in Vorgärten und manchmal auch im eigenen Zimmer.


Leider ist der Gedanke an Umwelt- und Naturschutz hier noch nicht angekommen. Eine landesweit operierende Müllabfuhr gibt es nicht und Mülltrennung ist quasi ein Fremdwort. Daher wird meist der gesamte Unrat einfach in die Natur geworfen oder kurzerhand am Straßenrand verbrannt. 

 

Regionale Unterschiede

Ich habe die meiste Zeit im Süden Sri Lankas zugebracht. Und das nicht ohne Grund, denn hier findet sich ein Großteil der Reisenden ein. Die Infrastruktur ist mit sehr zuverlässig verkehrenden Bussen und Expresszügen gut ausgebaut, TukTuks gibt es an jeder Ecke und TouristInnenunterkünfte, Restaurants und Attraktionen sind weit verbreitet. Die gesamte Region ist auf den Tourismus ausgelegt.

Je weiter man jedoch nach Norden kommt, desto weniger touristisch wird es. Während der Stadtkern von Ella auf die Verköstigung der TouristInnen, die tagtäglich über die berühmte Zugstrecke an- und abreisen, ausgerichtet ist, kann man in der Hauptstadt Colombo, im zentral gelegenen Kandy und in der Neustadt Anuradhapuras das urbane Leben der Einheimischen beobachten.

Abseits der größeren Städte und weiter nordöstlich, bzw. nordwestlich lebt ein Großteil der Einheimischen sehr ländlich in einfachsten und ärmlichen Verhältnissen vorwiegend vom Fischfang. Nicht selten wohnen hier die Großfamilien in Holz- oder Wellblechhütten und teilen sich ihren Lebensraum mit den Nutztieren. Als Touristin in der Nebensaison habe ich mich gerade an der Ostküste im kleinen verschlafenen Nilaveli nördlich von Trincomalee selbst wie eine Attraktion gefühlt.

Wenn Du dich für das Essen und die Unterkünfte, die Mobilität und meine Sicherheit in Sri Lanka interessierst, dann schau doch einmal diesen Blogartikel an.

 

Religion und Glaube

Für mich war es sehr spannend, die verschiedenen buddhistischen und hinduistischen Tempelanlagen zu besichtigen und mehr über diese Glaubensrichtungen erfahren zu können.

Mehr als 70 Prozent der Sri-LankerInnen sind dem buddhistischen Glauben angehörig. Sie besiedeln einen Großteil der Insel und sind besonders in der Mitte und im Süden der Insel vertreten. Daher finden sich hier auch außerordentlich viele buddhistische Tempelanlagen und eindrucksvoll große Buddha-Statuen. Einmal im Monat am Poya-Tag, wenn also Vollmond ist, ist in Sri Lanka Feiertag. Und das wird manchmal ausgelassen zelebriert.

Dem Hinduismus gehören etwa 13 Prozent der Bevölkerung an. Insbesondere im Norden und Osten des Landes sind sie angesiedelt. Die farbenfrohen Hindu-Tempel sind sehr interessant anzusehen.

Etwas mehr als neun Prozent der Sri-LankerInnen sind muslimischen Glaubens. Sie sind vermehrt an der Ost- und Westküste angesiedelt, während sie im Rest des Landes kaum anzutreffen sind.

ChristInnen bilden in Sri Lanka die kleinste Glaubensgemeinschaft und sind hauptsächlich im Nordwesten des Landes vertreten. Besonders während meiner kurzen Aufenthalte in Negombo sind mir einige Kirchen aufgefallen.

 

Leben in und nach der Krise

Sri Lankas bereits marode Wirtschaft geriet nach der Pandemie, dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und diverser Importbeschränkungen im Frühsommer 2022 in eine extreme Schieflage. Auch wenn es mittlerweile ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten gibt, sind die Auswirkungen dieser Wirtschaftskrise immer noch drastisch spürbar.

Die sri-lankische Rupie liegt nur noch bei etwa einem Drittel ihres ursprünglichen Werts, Lebensmittelpreise haben sich zum Teil vervierfacht, Einheimische aus einfachen Verhältnissen müssen täglich auf eine oder mehr Mahlzeiten verzichten, in einigen Landesteilen finden wiederkehrend mehrstündige Stromabschaltungen statt, Treibstoff ist extrem teuer und wird ausschließlich rationiert ausgegeben. Viele Restaurants mussten schließen, halbfertig gebaute oder ganz verlassene Wohnkomplexe finden sich fast überall.

Wenn man all das liest könnte man meinen, dass hier Chaos und Verzweiflung herrschen. Dem ist aber eher nicht so. Mein Eindruck ist, dass sich ein Großteil der Einheimischen mit der Situation arrangiert hat, ihnen bleibt ja auch kaum etwas anderes übrig. Viele erzählen davon, dass alles sehr viel teurer geworden ist, Importwaren kaum oder gar nicht zu bekommen sind, der Tourismus sehr zurückgegangen ist und auch nur stockend wieder anläuft. Das Ganze wird von ihnen meist quittiert mit einem Achselzucken. Denn eines scheinen die Sri-LankerInnen gut zu können: Abwarten und aushalten.

 

In der Rückschau

Blick vom Small Adam's Peak

Für mich war Sri Lanka die erste außereuropäische Etappe auf meiner Weltreise und das erste Land, das ich je in Asien bereist habe. Dass ich mir hier so viel Zeit nehmen konnte war perfekt, um Kultur, Land und Leute kennenzulernen und richtig anzukommen. Im Nachhinein gesehen waren 85 Tage dann aber auch mehr als genug für mich.

Werde ich wiederkommen? In den nächsten Jahren vermutlich erstmal nicht. Falls aber doch, habe ich noch einen Besuch im Norden der Insel, die Besteigung des Adam’s Peak, den Besuch des Ambuluwawa Tower und eine Safari im Yala Nationalpark auf der Reise-Wunschliste stehen. Zu tun und zu sehen gibt es hier also auch nach fast drei Monaten immer noch etwas.

Ich kann definitiv empfehlen, eine Rundreise (etwas sinnvoller geplant als mein Hin- und Her) durch Sri Lanka zu unternehmen. Sicherlich sind dafür aber, je nach individuellem Reiseverhalten, auch drei Wochen ausreichend.

 

Sri Lanka, danke für 85 aufregende und interessante Tage.


Steht Sri Lanka auf Deiner Reise-Wunschliste? Schreibs gerne in die Kommentare!

Franzi

FRANZI ☀️ Weg von Zuhause, raus in die Welt 🗺

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