Weltreise | Slow Travel - Meine Art des Reisens

Ich lebe auf meiner Weltreise meinen eigenen Reisestil, ganz langsam und ganz entspannt.

Ausblick vom Small Adam's Peak

Der Ausblick von der Spitze des Small Adam’s Peak, Ella, Sri Lanka

 

Mit Slow Travel/Slow Tourism in Sri Lanka

Landkarte Sri Lanka

Landkarte von Sri Lanka

Seit dem 01. Januar 2023 bin ich nun in Sri Lanka unterwegs und habe damit meine Reise offiziell zur Weltreise gemacht. Als ich das Visum für Sri Lanka im Dezember online beantragte, konnte ich zwischen einem Kurzaufenthalt von 30 und einem Langzeitaufenthalt von bis zu 180 Tagen wählen. Ohne zu zögern wählte ich die 180 Tage. Ob ich wirklich so lange im Land bleiben werde wusste ich damals und weiß ich auch jetzt noch nicht. Aber ich könnte. Und das gibt mir gerade ganz viel Gelassenheit.

 

Warum?

  • Weil ich nicht innerhalb von 30 Tagen alle Sehenswürdigkeiten in einem Land, das flächenmäßig so groß ist wie Bayern, gesehen haben muss.

  • Weil ich meinem Bauchgefühl folgen und entscheiden kann, ob ich länger an einem Ort bleibe, einfach weil es mir dort gefällt und ich mich wohlfühle.

  • Weil ich ohne Termindruck und zeitliche Verpflichtungen leben, meine Bedürfnisse und Wünsche hören und verfolgen kann.

 

Slow Travel und Slow Tourism – Eine alternative Art zu reisen?

Durch eine kleine Datenbankrecherche (im Herzen bin ich eine Forscherin) fand ich heraus, dass es für meine Art zu reisen einen Begriff gibt, dass dazu sogar Forschung betrieben wird. Slow Travel, bzw. Slow Tourism werden aus wissenschaftlicher Sicht als eine Alternative zum Massen- oder Pauschaltourismus gesehen. Ich bringe das hier mal in einen Zusammenhang.

Kreuzfahrtschiff vor der Küste Unawatunas, Sri Lanka

Reisen entsprechend des Massen- oder Pauschaltourismus (ich finde den Begriff Massentourismus eigentlich unpassend, da er für mich eine negative Färbung hat) zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie von einer Reiseagentur vorgeplant und durchgeführt werden. Anhand eines feststehenden, meist standardisierten Zeitplans werden viele verschiedene Sehenswürdigkeiten in kurzer Zeit einer großen Zahl an Menschen zugänglich gemacht (Hassan, 2009; Molz, 2010). Kreuzfahrten sind hierfür ein gutes Beispiel. Diese Art zu reisen bringt einige Vorteile mit sich: Für die Reisenden hält sich der Organisationsaufwand vor und während der Reise in Grenzen, sie wissen genau, was sie auf der Reise erwarten können und das Reisen wird als sicher empfunden. Insbesondere dann, wenn den Reisenden ein recht kurzer Zeitraum zur Verfügung steht, kann diese Art zu reisen sehr komfortabel und gleichzeitig erlebnisreich sein.

Glückliche Backpackerin

Glückliche Backpackerin: Auf den Schultern alles dabei

Slow Travel/Slow Tourism steht dem gegenüber. Die Literatur versteht darunter eher Individualreisen, die bewusst abseits vom Pauschaltourismus von den Reisenden selbstständig geplant werden. Häufig gibt es Raum für zeitliche und örtliche Flexibilität. Charakteristisch kann auch die langsamere Fortbewegung per Bus, Zug oder Boot sein (Gardner, 2009). Reisende kommen eher in privat geführten, kleineren Unterkünften, wie Apartments oder Wohnungen, unter und bleiben vielleicht für einen längeren Zeitraum an einem Ort, wenn es ihnen dort gefällt (Stichwort Staycation). Hier stehen dann häufig das bewusst intensive Kennenlernen und Miterleben von Kultur und einheimischer Lebensweise vor Ort im Fokus (Oliveira, 2020). Backpacking ist hier meist das Mittel der Wahl.

Beide Arten zu reisen haben ganz offensichtlich ihre Vor- und Nachteile. Ich möchte gar nicht sagen, dass eines von beiden besser oder schlechter ist. Für viele Reisende ist das längerfristige, individuell organisierte Reisen aber die Möglichkeit, mehr Langsamkeit und Balance in das eigene Leben zu integrieren und sich von dem Prinzip Höher, Schneller, Weiter, das ja in unserer westlichen Welt gelebt wird, zu distanzieren (Fullagar et al., 2012; Hassan, 2009).

 

FOMO beim Reisen

FOMO ist die Abkürzung für Fear of Missing out. Also die Angst etwas zu verpassen, was andere erleben. Ich bemerkte, dass ich FOMO bekomme, wenn ich in sehr kurzer Zeit viele Orte besuche und möglichst viele Sehenswürdigkeiten besichtige. Je mehr ich in kürzester Zeit sehe, desto mehr habe ich das Gefühl oder die Angst, etwas zu verpassen oder zu übersehen (Molz, 2010). So wird die Reise für mich eher eine Hetzjagd, auf der ich einfach nur ein Häkchen nach dem anderen auf meiner Liste setze, ohne die einzelnen Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse wirklich im Moment genießen zu können.

Damit einher geht dann irgendwann die Reisemüdigkeit. Der wunderschönste Strand ist dann nur noch ein weiterer Strand, der eindrucksvollste Tempel ist nur noch ein weiterer Tempel. Das möchte ich möglichst lange verhindern, indem ich ganz bewusst wenig Reiseziele und Sehenswürdigkeiten auswähle, um dort mehr Zeit zu verbringen.

Meinen aktuellen Reisestil kann ich daher auch eher dem Slow Travel/Slow Tourism zuordnen.

Slow travel is a state of mind. It is about having the courage not to go the way of the crowd.” - “Langsam zu reisen ist ein Bewusstseinszustand. Es geht darum, den Mut zu haben, nicht den Weg der breiten Masse zu gehen.
— Gardner, 2009, o.S.

Meine Art des Slow Travel/Slow Tourism

Für meine Weltreise habe ich weder einen festen Zeitplan, noch eine festgelegte Reiseroute. Ich habe die grobe Idee bis August 2024 unterwegs zu sein und mindestens die Länder Indien, Nepal, Indonesien, Australien und Neuseeland zu bereisen. Wann, ob und wie lange ich dann wo sein werde und welche Länder noch dazu kommen, weiß ich aktuell nicht.

Ich könnte natürlich in möglichst wenig Zeit so viele Länder wie möglich bereisen. Wie du aber in meiner Bio lesen kannst, hat mir das ja aber schon bei meinen zurückliegenden Reisen nie so richtig gefallen. Ich hatte immer das Gefühl, nur einen (für mich zu) kleinen Einblick in Land und Kultur zu erhaschen, nie aber das große Ganze erfassen zu können.

Nine Arches Bridge in Ella, Sri Lanka

Nine Arches Bridge, Ella, Sri Lanka

Lange Reisevisa und wenig vorgeplante Reiserouten ermöglichen es mir, meine Reiseziele nach Belieben zu erkunden. Unterkünfte an einem neuen Ort buche ich meist nur für die ersten drei bis vier Tage. Wenn es mir dort gefällt, verlängere ich meinen Aufenthalt. Wenn nicht, ist der Zeitraum kurz genug um ihn auszuhalten und die Weiterreise vorzubereiten. Dadurch bekomme ich die Freiheit dort hin zu reisen, wo es mir gefällt und mir gut geht, ohne einem vorgefertigten Plan folgen zu müssen (Oliveira, 2020).

Nicht alles im Voraus zu planen führt auch dazu, dass ich unplanbare Erlebnisse und Begegnungen erfahren darf. Sie kommen, wenn man alleine ins Restaurant essen geht, während der Wartezeit anfängt mit den Leuten am Nachbartisch zu quatschen und dann gemeinsam auf eine Party am Strand geht. Wenn man sich mit fremden Leuten eigentlich nur wegen der Kosten ein Taxi teilt und so gut ins Gespräch kommt, dass man die folgenden zwei Tage miteinander verbringt. Wenn man die Locals an einem neuen Ort fragt, was heute noch so geht und sich dann gemeinsam zwei Stunden lang eine kilometerlange Parade mit Tanzgruppen anschaut. So etwas lässt sich nicht planen.

Ich möchte aber betonen, dass ich trotzdem auch die ganz klassischen TouristInnenattraktionen besuche und genieße. Aber eben in meinem ganz eigenen Tempo.

 

Slow Travel und Tauchen – Die Chance für den Moment

Erst im Dezember 2022 hatte ich das Tauchen für mich entdeckt und lieben gelernt. So sehr, dass ich auf Lanzarote die Grundausbildung und hier in Sri Lanka dann direkt den Aufbaukurs absolvierte. Und ich kann versichern, dass da noch einiges mehr kommen wird.

Aber warum liebe ich das Tauchen so sehr? Weil es mich in den Moment des Jetzt bringt. Sobald ich untertauche, zählt nur noch, was hier im Moment für mich passiert. Meine Atmung, mein Luftvorrat, die Tauchtiefe. Und natürlich die wunderbare Umgebung und die wunderschöne Tierwelt. Die sich so vollkommen unbeeindruckt gibt von dem, was um sie herum passiert.

Während des Tauchens wird alles was mich den ganzen Tag sonst so beschäftigt, nebensächlich. Ich muss das alles auf später verschieben. Für mich fühlt sich das an wie die perfekte Meditation, Urlaub von den Gedanken. Im Hier und Jetzt sein, den Moment genießen .

 

Meine Reise – meine Comfortzone

Reisen bringt mich täglich dazu, meine Comfortzone zu verlassen. Ich habe täglich mehr mit fremden als mit bekannten Personen zu tun, bin oft an mir fremden Orten und muss mich immer wieder darauf verlassen, dass alles schon so werden wird, wie es sein soll.

Dadurch, dass ich aber beispielsweise längere Zeit an einem Ort verbleibe, bilde ich mir immer wieder eine kleine Comfortzone. Ich kann mich schnell an fremden Orten einleben und wohlfühlen. Das gibt mir Kraft und Sicherheit. Damit kann ich dann immer wieder ganz bewusst aus meiner Comfortzone ausbrechen, um neue aufregende Erfahrungen zu machen.

 

Was es braucht…

Die Literatur sagt, dass Reisende, die dem Slow Travel/Slow Tourism folgen, als besonders selbstständig, zäh, robust und belastbar gelten und immer begierig sind nach neuen Erfahrungen (Dickinson & Lumsdon, 2010). Und ja, das würde ich für mich generell auch unterschreiben.

Ich finde aber eher, dass man schon so nicht schon sein kann oder muss, bevor man eine Reise unternimmt. Man lernt und wächst jeden Tag, den man auf Reisen ist. Weil man ganz bewusst so reist, wie man mag.

 

Literaturverzeichnis

Dickinson, J. E. & Lumsdon, L. (2010). Slow Travel and Tourism. London/Washington, DC.: Earthscan.

Fullagar S., Markwell K. & Wilson E. (2012). Slow Tourism: Experiences and Mobilities. Bristol: Channel View, 15/20.

Gardner, N. (2009). A manifesto for slow travel. Hidden Europe 25. https://www.hiddeneurope.eu/a-manifesto-for-slow-travel [2023-02-26]

Hassan, R. (2009). Empires of Speed: Time and Acceleration of Politics and Society. Brill, https://doi.org/10.1163/ej.9789004175907.i-254

Molz, J. G. (2010). Representing pace in tourism mobilities: Staycations, slow travel and the amazing race. Journal of Tourism and Cultural Change 7 (4), 270/286, https://doi.org/10.1080/14766820903464242

Oliveira, C. S. (2020). My trip in my words: Subjectivities, time(s) and mobilities in slow travel blogs. Time & Society 29 (1), 223/255. 10.1177/0961463X18820740

Franzi

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