Sri Lanka | Essen und Unterkünfte, Mobilität und Sicherheit
Auf Reisen versuche ich, so viele verschiedene Erfahrungen wie möglich zu machen. Und so habe ich mich durch das bunte Angebot der lokalen Küche gefuttert, unterschiedliche Arten von Unterkünften ausprobiert und verrückte Busfahrten unternommen.
Kokosnuss mit Aussicht, Ella, Sri Lanka
Rice & Curry und ein Himmel für ObstliebhaberInnen
Wer mich kennt weiß, wie sehr ich Essen liebe und wie sehr es mir missfällt, mich für ein Gericht auf der Karte zu entscheiden.
So ist es kein Wunder, dass ich das Angebot an Rice & Curry in Sri Lanka direkt lieben gelernt habe. Der weiße Reis kommt mit drei bis fünf verschiedenen, meist vegetarischen oder veganen Curries, Linsendal und Papadam (kleine frittierte Fladenbrote). Das Essen ist sehr gut gewürzt mit frischen Curryblättern (nicht selten aus dem eigenen Garten der RestaurantbesitzerInnen) und lokal erzeugten Gewürzen, wie Senf, Zimt, Kardamom und Kurkuma. Für die zart besaiteten Geschmacksnerven der TouristInnen wird übrigens bewusst mit dem Chili gespart, just a little bit spicy. Ein Highlight für mich war es auch einen Kochkurs zu besuchen und das leckerste Rice & Curry selbst unter Anleitung zu kochen.
Lecker fand ich außerdem die so genannten Roti, in jeder ihrer Darreichungsformen. Das sind Pfannkuchen, die entweder deftig mit eingebackenen Kokosflocken, Zwiebelsambol und Linsendal, gefüllt mit Gemüse oder süß mit gezuckerten Kokosflocken serviert werden. Hätte ich einfach immer essen können. Das passte auch ganz gut, denn sie werden zu allen Hauptmahlzeiten serviert vorwiegend aber zum Frühstück.
Roti sind neben Ei, Zwiebeln und Möhren auch die Hauptzutat des zweiten Nationalgerichts, dem Kottu. Die Zubereitung ist spannend, denn der Roti wird mit einer besonderen Technik lautstark auf einer heißen Platte kleingehackt und mit den restlichen Zutaten und einer Currysauce angebraten. Der Geschmack ist sehr herzhaft und das Gericht ist sehr sättigend.
Für mich als Obstliebhaberin ist Sri Lanka ein Paradies. An jeder Ecke wachsen Papayas, Mangos, Ananas, Melonen und Bananen. Man schmeckt die Sonne sofort, alles ist frisch und süß und saftig. Auch die Säfte, die aus den ganzen Früchten gemixt (und manchmal mit Salz und Zucker abgeschmeckt) werden, waren ein Traum. Die eine oder andere Smoothiebowl habe ich mir auch gegönnt.
Was hier hingegen gar nicht gut schmeckt sind Weintrauben und Äpfel. Die sind aber auch importiert. Am besten kauft man die Früchte erntefrisch direkt an einem der unzähligen Straßenstände. Dort kann man sie sich sogar direkt verzehrfertig aufschneiden lassen.
King Coconut
Zum Schluss noch das Nonplusultra für viele TouristInnen, für mich aber irgendwie überbewertet: Kokosnüsse. Überall wachsen sie an Palmen, werden am Straßenrand verkauft und als so genannte King Coconut getrunken. Das fettige Fruchtfleisch wird nach dem Trinken des Kokoswassers ausgelöffelt.
Die Insel des Tees
In Sri Lanka wird viel guter Tee getrunken. Nicht umsonst, denn im In- und Hochland wird der Ceylon Tee angebaut und von hier aus in die ganze Welt exportiert. Der Name des Tees leitet sich vom vormaligen, durch den Kolonialismus geprägten Namen der grünen Insel ab – Ceylon. Erst 1972 wurde der Name offiziell in Sri Lanka geändert.
Ich habe in Ella eine kleine private Teeplantage besichtigt, bei der mir gezeigt wurde, wie der Tee angebaut, geerntet weiterverarbeitet wird. Wusstest Du, dass weißer, grüner und schwarzer Tee von ein und derselben Teepflanze stammen und es hier lediglich auf den Prozess der Weiterverarbeitung ankommt?
Unterkünfte
In Sri Lanka ist sowohl ein Low Budget Hostel- und Backpacking-Urlaub, als auch ein fünf Sterne-Luxusurlaub möglich. Letzteres entspricht (leider) weder meinem Reisestil, noch meinem Reisebudget. Totzdem bin ich in Sri Lanka beinahe ausschließlich in guten bis sehr guten Unterkünften untergekommen.
Zu Beginn meiner Reise in Sri Lanka hatte ich geplant, vorwiegend im Hostel unterzukommen. Aus Kostengründen und auch, um möglichst schnell andere Reisende kennenzulernen. Insgesamt habe ich lediglich zwei Wochen lang und in zwei verschiedenen Hostels gewohnt, in Colombo zum Start meiner Reise und im Surf-Ort Ahangama. Mir hat es in beiden Hostels sehr gut gefallen und (dem Jakobsweg sei Dank) nicht wirklich etwas ausgemacht, Zimmer, Bad und Küche mit anderen Leuten zu teilen. Ich habe an beiden Orten unheimlich viele nette und sehr interessante Leute aus aller Welt kennengelernt und eine tolle Zeit mit ihnen verbringen können. Im Surfhostel in Anhangama habe ich sogar ein paar Yogastunden gegeben.
Ab Anfang Februar habe ich aber ausschließlich in Privatzimmern in so genannten Homestays übernachtet. Denn ich merkte, dass ich mehr Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten brauchte. Außerdem gabe es auch nicht in jedem Ort ein Hostel, welches meinen Ansprüchen entsprach. Wohlfühlen wollte ich mich ja schließlich auch.
Homestays sind Unterkünfte, die die Einheimischen in ihren Eigenheimen anbieten. Die Zimmer verfügen meist über ein eigenes Badezimmer und die Möglichkeit, ein einheimisches Frühstück zu genießen. Für mich war das perfekt, um meinen Reisestil des Slow Travel umzusetzen und das Leben sri-lankischer Familien etwas mehr kennenzulernen. Ein Großteil der Familien und GastgeberInnen war sehr zuvorkommend und hat mir geholfen, meine Weiterreise im Land zu organisieren. Auch aus Kostengründen war es für mich sinnvoller, in Homestays unterzukommen. Die waren wenn überhaupt nur unwesentlich teurer als ein Bett im Mehrbettzimmer eines Hostels, dafür aber um ein Vielfaches komfortabler.
Wie man sieht, hatte ich von sehr einfachen Holzhütten am Strand bis zu zauberhaften Doppelzimmern alles dabei. Lediglich zwei der Unterkünfte waren nicht so sauber und gemütlich wie erhofft. Unvergessen bleibt natürlich das Badezimmer mit den traumhaft schönen Delfinfliesen.
Wilder Straßenverkehr
Der Straßenverkehr Sri Lankas wird geprägt durch die rasant fahrenden Busse, unzählige Roller und die vielen kleinen bunten TukTuks. Diese motorisierten Dreiräder kann man an so gut wie jeder Ecke buchen, sie passen in die kleinste Lücke in der ersten Reihe vor der Ampel und legen erstaunliche Strecken im ganzen Land zurück.
In der Hauptstadt Colombo gibt es die App Pick.Me. Diese funktioniert wie Uber, nur für TukTuks. Man bucht sich online ein TukTuk, das einen dann abholt und für einen von der App festgelegten Preis an sein Ziel bringt. Leider wird die App in weiten Teilen des Landes boykottiert, so dass man sich hier dann doch auf sein Verhandslungsgeschick verlassen und individuell mit den manchmal ganz schön gewitzten TukTuk-Fahrenden vor Antritt der Fahrt auf einen Preis einigen muss.
Bis ins kleinste Dorf gibt es übrigens TukTuk-Bäckereien und Eiswagen, die mit nervtötender Musik das Verkaufsangebot ankündigen und so auch auf dem Land für die Verpflegung sorgen.
In Tangalle habe ich mir einen Roller gemietet und bin damit durch die Straßen gedüst. Das hat mir richtig Spaß gemacht und nochmal ein ganz neues Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit gegeben. Da ich meistens jedoch relativ zentral gewohnt habe, hat es sich für mich nicht gelohnt für längere Zeit einen Roller zu mieten.
Mit dem Fahren eines Rollers habe ich mir übrigens eine von vielen lustigen Aufgaben erfüllt, die Jens und Lisa mit für meine Weltreise aufgetragen haben.
Franzi auf dem Roller unterwegs
Wenn ich von einem Ort zum nächsten weitergezogen bin, habe ich Busse oder Langstreckenzüge genutzt. Diese Busse sind verrückt. Oder eher ihre Fahrer. Denn die heizen mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit durch die Straßen und hören dabei ohrenbetäubende Musik. Der Bus hat Vorfahrt. Immer. So ist die ganze Fahrt ein einziges Erlebnis. Angehalten wird nur sehr kurz und sehr ungern, so dass man hier zum Ein- und Ausstieg richtig auf Zack sein muss. Meistens fahren wesentlich mehr Menschen in den Bussen mit, als eigentlich Platz zur Verfügung steht. Und so hängen sich die waghalsigen Passagiere auch schon mal an die immer offenen Türen und sind im wahrsten Sinne TrittbrettfahrerInnen. Das ganz wird durch die Preise für die Mitfahrt noch absurder. Für ungefähr zehn Kilometer zahlt man umgerechnet etwa 0,50 Euro. Mit ein bisschen Glück kommen fliegende HändlerInnen in den Bus, um Getränke und skurrile Snacks zu verkaufen - da ist dann von getrockneten Sardellen bis zu eingelegten Zucchini alles dabei.
Im Straßenverkehr wird während eines Überholvorgangs oder vor der Passage enger Kurven übrigens gehupt, um die anderen VerkehrsteilnehmerInnen zu warnen. Daraus entsteht an Verkehrsknotenpunkten eine enorme Geräuschkulisse.
Nicht selten stehen auch Kühe auf der Straße. Um diese machen alle VerkehrsteilnehmerInnen einen großen Bogen, denn Kühe sind auch in Sri Lanka hochangesehene Tiere. Die Straßenhunde haben es nicht so gut. Sie schlängeln sich in waghalsigen Manövern zwischen dem wilden Trubel hindurch und kommen nicht selten mit Verletzungen davon.
Während das Busnetz sehr gut ausgebaut ist und man damit beinahe das gesamte Land bereisen kann, ist das Bahnnetz nicht ganz so weit verzweigt. Von Colombo aus gibt es eine Linie in Richtung Norden (die leider zu meiner Zeit nicht befahren wurde), eine Linie in Richtung des Inlandes und eine Linie entlang der Küste in den Süden der Insel. Die Zugstrecke zwischen Ella und Kandy ist aufgrund der wunderschönen Szenerie weltbekannt. In den Zügen kann gibt es die erste, zweite und dritte Klasse, die sich in ihrem Komfort und preislich voneinander unterscheiden. Langstreckenzüge können vor der Reise online reserviert werden, was beinahe doppelt so viel kostet, als wenn man die Fahrkarte einfach eine Stunde vor Abfahrt am Bahnhof kauft. Dann gibt es allerdings keine Sitzplatzgarantie und man steht im Zweifel die gesamte Fahrt über dicht gedrängt im Gang. Ich habe meist zwischen 4,00 und 8,00 Euro für einen reservierten Sitzplatz in der ersten oder zweiten Klasse bezahlt, um Strecken über mehrere Stunden oder gar über Nacht zurückzulegen.
Es gibt außerdem auch die Möglichkeit private FahrerInnen zu mieten. Diesen Service haben wir in Anspruch genommen, als Clara mich besucht hat. Das ist natürlich wesentlich teurer als die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Jedoch kommt man so sehr viel komfortabler und wesentlich schneller durch das Land und an sein Ziel.
Sicherheitsgefühl als alleinreisende Frau
Eine häufig gestellte Frage, über deren Antwort ich nachgrübeln musste ist die, ob es sicher ist, alleine als Frau in Sri Lanka zu reisen. Ich kann nur für mich sprechen und die Frage mit Ja antworten. Ich habe mich aber auch größtenteils an Orten aufgehalten, wo viele TouristInnen unterwegs sind. Kurze Strecken vom Restaurant zu meiner Unterkunft bin ich auch abends im Dunkeln gelaufen, wenn ich den Weg kannte. Ansonsten habe ich ein TukTuk oder den Bus genommen.
Glücklich am Strand
Dennoch muss man sich bewusst sein, dass das Frauenbild hier natürlich ein anderes ist. Das habe ich mit fortschreitender Zeit und besonders in den abgelegeneren, weniger touristischen Orten immer deutlicher gemerkt. Ich musste einige Male sehr eindringlich meine Meinung formulieren, um meinen Willen durchzusetzen und mich auch vor Belästigung zu schützen.
TukTuk-Fahrer am Straßenrand fragen einen ununterbrochen, ob man eine Fahrt braucht. Am Strand wurde ich mehrfach von Männergruppen belagert und ungefragt fotografiert. Wildfremde Leute auf der Straße sprechen einen an und sind enorm neugierig. Neben den normalen Fragen nach dem Namen, dem Heimatland und der Dauer des Aufenthaltes wird nicht selten explizit nach der Unterkunft, dem Familienstand und dem Kinderwunsch gefragt. Denn für viele Einheimische passt eine alleinreisende Frau nicht ins klassischen Rollenbild. Männer sehen einen als leichte Beute oder als Möglichkeit, ein Visum nach Europa zu bekommen. Unmoralische Angebote und Catcalling (Hinterherpfeifen und Anmachsprüche) kommen nicht selten vor. Das haben mir auch andere alleinreisende Frauen bestätigt.
Die krasseste Erfahrung hatte ich gegen Ende meiner Zeit in Sri Lanka: Als ich mit einem Australier in einem einheimischen Restaurant essen war, hat jeder von uns für sich bestellt. Er hat sein Essen bekommen, ich nicht. Denn er hat nicht für mich mitbestellt. Dafür hat er aber am Ende auch die Rechnung vorgesetzt bekommen. Denn natürlich hat der Mann das Geld.
Man sollte sich hier generell bewusst sein, dass man im Vergleich zum Großteil der einheimischen Bevölkerung extrem wohlhabend ist. Und so kommt es nicht selten vor, dass eine noch so vermeintlich nette Geste mit einem Gegenwert kommt. Eine Auskunft nach dem richtigen Bahnhofsgleis will genau so entlohnt werden, wie ein Foto von einer Teepflückerin auf einer Teeplantage.
Ein einheimischer Reiseleiter sagte ganz zu Beginn meiner Zeit in Sri Lanka diesen Satz zu mir: Die meisten Einheimischen sind nett. Aber nicht alle sind ehrlich. Das fasst es meiner Meinung nach ganz gut zusammen.
Knüpfen neuer Kontakte
Sri Lanka wird meiner Wahrnehmung nach vorwiegend von Alleinreisenden und Paaren besucht. Einige Reisende schaffen es, einen intensiveren Kontakt zu den Einheimischen herzustellen. Das ist mir leider nicht so richtig gelungen. Meistens weil die Englischkenntnisse meines Gegenüber kaum über die Basics der Alltagskommunikation hinausgingen.
Gert, Tharshanth und ich auf dem Boot zum Tauchplatz
Was hingegen richtig gut funktioniert hat: Andere Alleinreisende kennenzulernen und ein paar gemeinsame Stunden oder gar Tage miteinander zu verbringen. Ob beim Tauchen, über eine Facebook-Gruppe, im Café oder beim Frühstück im Hostel. Ich kam unheimlich schnell mit anderen Reisenden in Kontakt, sprach über die Reiseerfahrungen und schnell auch über weitaus tiefsinnigere Themen. Denn alle Reisenden haben ihre Geschichten und diese auszutauschen ist sehr spannend und bereichernd.
Mir fällt immer wieder auf wie einfach es ist, als Alleinreisende mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen und eine lockere freundschaftliche Beziehung aufzubauen. Sicherlich zieht ein Land wie Sri Lanka mit seiner Geschichte und seinen Vorzügen auch Menschen an, die meinem Schlag ähnlich sind und Interesse haben an eher ungewöhnlichen Reisezielen, Tauchen, Yoga, Wandern, Weltreise und alleine reisen.